Ein Biwak für Obdachlose


Die Temperaturen in Salzburg sinken im Winter für eine sehr lange Zeit unter den Gefrierpunkt. Trotzdem leben zahlreiche Menschen dort auf der Straße oder auf den bewaldeten Stadtbergen. Die temperaturbedingten Belastungen im Winter sind enorm, deshalb setzte ich mir in meiner ersten Bachelorarbeit zum Ziel herauszufinden, ob eine Möglichkeit besteht, die Obdachlosen in Salzburg zu unterstützen, ob das Angebot angenommen werden würde und ob überhaupt die Notwendigkeit besteht, den Personen zu helfen. Es galt herauszufinden, ob ein Biwaksack eine adäquate Lösung für die Obdachlosen Salzburgs darstellt.

Die Arbeit war theoretischer Natur, es galt Literaturrecherche zu betreiben und Informationen zu sammeln um dann zur Feldforschung übergehen zu können.

Bei der anfänglichen online-Recherche zeigte sich schnell, dass sich bereits zahlreiche Leute Gedanken über ähnliche Problemstellungen gemacht haben und bereits zahlreiche Lösungsansätze existieren – allerdings vor allem in den USA, weniger in Europa und keine in Österreich.
Darüberhinaus zeigte sich, dass die Wohnungssituation in Salzburg nicht sehr gut ist. Mit wenig oder keinem Einkommen ist es sehr schwierig, an eine Wohnung zu kommen und die Einrichtungen zur temporären Unterbringung von bedürftigen Personen sind hoffnungslos überfüllt.

Ein Beispiel für ein funktionierendes Modell: Veronica Scott mit dem Element S Coat, einem aus recycelten Materialien hergestellten Biwaksack und Mantel für Obdachlose in den USA (empowermentplan.org)


Mehrere Organisationen in Salzburg, darunter allen voran die Caritas und das Forum für Wohnungsnot, beschäftigen sich aktiv mit der Situation und versuchen die Zahl der Wohnungslosen in Salzburg kontinuierlich zu reduzieren.
Im Gespräch mit den zuständigen Personen wurde schnell klar, dass sehr viele Leute in Salzburg in diesem Bereich tätig sind und nach Lösungen suchen, jedoch immer noch sehr viele Personen nicht erreicht werden können. Projekte wie “Housing First”, bei dem wohnungslosen Personen eine Wohnung gegeben wird, bevor mit der Resozialisierung begonnen wird, bringen großen Erfolg mit sich, die prekäre Situation am Wohnungsmarkt legt dem Projekt allerdings durch sehr teuere Privat- und sehr wenige Sozialwohnungen Steine in den Weg.

Obwohl Österreich im sozialen Wohnungsbau in Europa an erster Stelle liegt, sind Sozialwohnungen in Salzburg sehr knapp (Wohnungslosenerhebung 2014 des Forum für Wohnungslosenhilfe Salzburg).


Mein Ansatzpunkt war eine simple Lösung, mit der sich die Zeit überbrücken lässt, bis mit einer dauerhaften Wohnung geholfen werden kann – einem Biwaksack für Obdachlose, um kalten Temperaturen besser trotzen zu können.

Die Mitarbeiter der sozialen Organisationen waren grundsätzlich interessiert an der Idee, äußerten jedoch Bedenken, da viele Wohnungslose sich nur sehr ungern helfen lassen. Als Zwischenlösung für die Zeit bis eine Wohnung gefunden wurde stieß das Konzept allerdings beim Großteil der Befragten auf Zustimmung.

Die befragten Obdachlosen waren alle von der Idee angetan, Hilfe sei immer willkommen. Die von den zuständigen Personen der sozialen Organisationen beschriebene Situation wurde von den auf der Straße lebenden als noch weit schlimmer dargestellt, die Kapazitäten der vorübergehenden Unterbringungen und Nachtlager als noch weniger ausreichend als an anderer Stelle beschrieben.

Viele wohnungslose können nicht erfasst werden, da sie auf verschiedene Arten unterkommen können, bevor sie letztendlich wirklich auf der Straße landen (Wohnungslosenerhebung 2014 des Forum für Wohnungslosenhilfe Salzburg).


Alles in allem stellte sich heraus, dass Hilfe zwar sehr willkommen wäre, jedoch nicht absolut lebensnotwendig, da einem in äußerster Not immer geholfen werden kann. Die Produktion eines Biwaksacks aus recycelten Materialien wäre generell möglich, es stellte sich allerdings als sehr schwer heraus, Partner für die Produktion zu finden.

Meine Arbeit “Wärme für Leben – ein Biwak für Obdachlose” behandelt die Problemstellung, die Recherche und die Lösungsansätze ausführlich. Angefangen mit der Literaturrecherche, bei der die Grundzüge des Problems und die politische Situation in Salzburg und Umgebung herausgearbeitet werden, über bereits existierende Projekte, welche zum Teil funktionieren, zum Teil nicht, bis hin zur Auswertung der Interviews mit sozialen Organisationen und Obdachlosen wird meine Vorgehensweise dargelegt und final oben dargelegtes Fazit gezogen.

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